Aller Anfang ist schwer...
- pablomoermann
- 22. Sept. 2024
- 5 Min. Lesezeit

...besonders meiner war es. Am Dienstag dem 03. September war es so weit, um 06:40 Uhr soll der Flieger nach Rom abheben, mit mir an Board. Die Tage davor begann die Packerei. Ich habe mir eine Liste geschrieben, wie viele T-Shirts, Hosen, Hemden, Socken, Medikamente,... und hatte voll die Struktur und alles. Der Plan war, dass ich so packe, das meine Kleidung für dreißig Tage reiche. Ich habe auch alles in den Koffer bekommen und noch damit geprahlt, wie viel Platz im Koffer noch sei. Aber, die Waage hatte mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Ich war einfach viel zu schwer. Meine Koffer wogen 25kg und 10kg. Darauf folgte ein großes hin und her und eine klare Reduzierung. Doch alle Bemühungen blieben erfolglos, ich schaffte es nicht. Somit blieb noch eine Möglichkeit, alles anziehen, was schwer war. Und so begann ich meine Reise mit meinen Kopfhörern um den Hals, meiner Capie aufgesetzt, meinem Wintermantel um den Arm (die Taschen des Mantels natürlich auch befüllt) und meinem 9kg schweren Rucksack.
Ich bin der sehr netten Dame vom Check-In überaus dankbar, dass sie die 23,5kg noch durchgehen ließe, sonst wäre der Pulli auch noch gefolgt und ich an einem Hitzschlag vermutlich heldenhaft gestorben.
Aber beim Secrurity Check war ich dann wohl doch zu auffällig und wurde zum "zufälligen" Sprengstofftest gebracht.
YouTube Tutorial: "How to fold ..."

Die Ankunft in Rom
Der Flug verlief nach einer kleineren Verzögerung reibungslos ab und um 08:40 Uhr bin ich dann auch schon gelandet.
Ich eilte zu meinem Gepäck, denn man hat dann doch irgendwie Angst, dass ausgerechnet das Eigene verloren gehen könnte und schließlich habe ich bis vor wenigen Stunden mein ganzes Leben in diese Koffer gepackt.
Doch es war natürlich alles in Ordnung. Nachdem ich beinahe auf ein Abzocker-Taxi reingefallen bin, habe ich es dann doch noch geschafft, ein Solo-Taxi zu bekommen. Und ich kann euch sagen, ich habe mich selten so komisch gefühlt. Den in dem Taxi, hatte man lange Zeit zum überlegen und je näher wir dem Ziel fuhren, um so mehr Aufregung und auch Unbehagen machten sich breit.
Die Adresse fürs Taxi auf der Vespertüte

Doch als ich angekommen war, waren all die Zweifel und komischen Gefühle einfach weg. Ich wurde überaus herzlich empfangen und werde weiterhin von jedem Menschen mit einer ausgesprochen höflichen und freundlichen Art wahrgenommen. Ich bin etwa gegen 10 Uhr eingetroffen und da an meinem Zimmer renovierungsbedingte Arbeiten bis zum Abend getätigt wurden, machte ich mich direkt an die Arbeit. Ich wurde jedem Menschen vorgestellt, wahlweise auf Deutsch oder Italienisch.
Relativ schnell entstand eine heimische Atmosphäre, denn es wohnen Menschen aus Baden, Bayern und Österreich hier, somit hört man dann doch auch vertraute Dialekte :)
Und für die Ausnahmen, wo ich mit Deutsch oder Englisch nicht weiterkomme, ist immer ein passender Dolmetscher in der Nähe also known as "Sorella Jelena the Walking Google Translate". Aber ich habe gemerkt, dass man sich auch in zwei völlig verschiedenen Sprachen gut miteinander verständigen.
Meine erste eigene Küche

So, aber ich weiß natürlich auch, dass eine große Frage war: "Pablo, was machst du eigentlich genau in Rom und arbeitest du im Vatikan?"
Vorne weg, nein, ich arbeite nicht im Vatikan. Ich arbeite bei der Santa Maria
dell´Anima. Wir sind die einzige deutschsprachige Gemeinde in Rom und ein Ort wo deutschsprachige Katholiken aus der ganzen Welt zusammentreffen. In unserer Kirche werden Messen in deutscher Sprache abgehalten und im Haus wohnen zu Hochzeiten ungefähr 30 Personen. Darunter befinden sich studierende Priester, Seminaristen, der Rektor, der Vize-Rektor, der Kurat, einige Kurialen des Vatikans, die Schwestern und eben auch Ich.
Während der Aufsicht kann man lernen, lesen,...

Während meiner Arbeit hier, bin ich zum Beispiel dafür verantwortlich, dass die Kirchenaufsicht geregelt ist. Ich erstelle den monatlichen Schichtplan, übernehme selbst einige Schichten, weise neue Leute ein und organisiere Vertretungen.
Bei der Aufsicht geht es vor allem darum, dass man aufpasst, dass die Besucher die Kirche mit dem nötigen Respekt betreten, behandeln und ihnen bei ihren Anliegen und Fragen behilflich zu sein.
Aber ich übernehme auch Botengänge zu den Ämtern der Kirche und davon liegen auch einige hinter den vatikanischen Mauern, jedoch dort, wo die meisten Touristen von einem Gardisten höflich gebeten werden wieder zu umzukehren :)
Karten für die Papstaudienzen aus der Präfektur abholen, den neuen wöchentlichen
L´Osservatoro Romano von Vatican News zum Pilgerzentrum und der Anima zu bringen, zur vatikanischen Post zu gehen und und und.
Da die Anima ein Ort der Gemeinschaft ist, organisiere ich auch regelmäßige Treffen für alle jungen Erwachsene, die in Rom (temporär) leben.
Monatliche Treffen auf der Dachterrasse, das Anima Oktoberfest,...
Aber auch die Grabpflege, der Gräber der Anima auf dem Campo Santo Teutonico gehört dazu.
Mein Mitbewohner Alfredo der Gecko

Ich habe auch in meinen ersten Wochen hier lernen müssen wie man korrekt isst. Den das Essen erfolgt hier ähnlich wie am Königshof. wir haben täglich ein drei Gänge Menu. Unter der Woche etwas kleiner gehalten, mit dem "unter der Woche Wein" und nur "gewöhnlichen Rezepten" und es findet in der Cameretta statt. Aber am Sonntag gilt bis zum Mittagessen "Black Tie". Das Essen beginnt bereits um 12:45 Uhr mit einem Aperitivo im Zeitungszimmer und ist gefolgt von einem Festmahl im Speisesaal, welches mit einer Schnapsbar im Zeitungszimmer wieder endet. Unter anderem wird dort auch neben einem Grappa ein Jägermeister ausgeschenkt, womit man sich wider kurzzeitig zu Hause fühlt.
Ein kleiner Einblick in den Speisesaal

Die nächsten Wochen werden davon geprägt sein, dass ich mich erstmal weiterhin einarbeite und einlebe. Dazu gehört auch mein italienisch Sprachkurs, sodass ich bis Weihnachten keine Dolmetscher mehr brauche :)
Trauzeuge und Fotograf war ich bereits auch schon

"Ohh mein Gott ich bin im Fernsehen"
Die deutschsprachigen Katholiken in Rom sind sehr gut mit einander vernetzt und so läuft in der Anima alles zusammen.
Anlässlich des Jubiläums von K-TV wurde die Messe am Sonntag live ins Fernsehen übertragen und ich war ganz vorne mit dabei! Natürlich lies ich mir die Chance nicht entgehen und ministrierte. Dabei durften wir als Ehrengäste den Kardinal Koch und dem Abt aus Jerusalem.
Wäre das Evangelium noch länger gewesen, dann hätte man live gesehen, wie der Leuchter fliegt

Im Anschluss ging es dann noch ins Café und wir tranken gemütlich um halb zwölf am Sonntagmorgen Cappuccino und Aperol zusammen mit dem Abt.
Aber natürlich lies ich mir die Chance nicht entgehen und fragte den Kardinal nach einem Foto. Und so stand ich da, in bester Sonntagskleidung stolz und demütig zugleich.

Alles in Allem, bin ich überaus glücklich hier! Und darum möchte ich euch bitten nicht dafür zu beten, dass es mir weiterhin gut geht. Das wird es, da bin ich mir sehr sicher :) . Schließt lieber die Menschen mit ein, die nicht so ein Glück erfahren dürfen. Von denen sieht man in Rom leider zu genüge.
Bleibt gespannt was noch so alles in Rom passieren wird und wenn ich noch alles treffen werde. Ich genieße die Zeit hier sehr und fühle mich sehr zu Hause.
Ciao, a doppo,
Pablo



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