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Sedisvakanz, Konklave, Habemus Papam - wie ich es erlebt habe

Montag, 21.04. 10:30 Uhr an der Theke vom Sant´Eustachio

"Mir hat einer geschrieben, der Papst ist tot."

"Wie tot? Ist er jetzt wirklich gestorben? Heute, am Ostermontag?"

"Ja, hier steht  ´der Heilige Vater ist heute Morgen am 21.04. um 07:35 Uhr verstorben´"

"Ja, was machen wir jetzt? Dann gehen wir zum Petersplatz und später zur Messe?"

"Ja"

Ein wenig unspektakulär, aber so habe ich erfahren, dass der Papst gestorben ist. Der Fantasie entsprechend, erwartet man laute Glockenschläge, die durch ganz Rom hallen, ein kühler Wind peitscht durch die Gassen und reißt die ersten Blätter mit sich und in der Ferne hört man ein dunkles Gewitter aufziehen.

Tja, die Realität ist, dass man es, wie alle anderen auch, übers Handy erfährt.

11:30 Uhr Petersplatz

Der Platz war total voll, so wie man es die Tage danach in den Medien sah. Diese Masse an Menschen war gar nicht zählbar, alle standen dicht an dicht und blickten Richtung Vatikan, wo der Heilige Stuhl plötzlich unbesetzt ist und das nach 12 Jahren. Die Drohnenbilder zeigten den Platz von oben: Tausende Köpfe von Menschen, wie ein buntes Webmuster eines Teppichs, der sich über den Platz zog und vorne in erster Reihe standen weinende Nonnen, die einen Rosenkranz für den Verstorbenen beten.

Tja, so stellt man sich auch das vor, aber das war auch nicht so. Der Platz war verhältnismäßig leer, für römische Verhältnisse war quasi nichts los. Ich habe eine einzige betende Person mit Rosenkranz gesehen. Es sammelten sich bereits die ersten Reporter um den Platz, aber kaum Menschen. Es herrschte reges Treiben, bis die Totenglocke um Punkt 12 Uhr das erste Mal schlug und erst 20 Minuten und 87 Schläge später wieder aufhörte. Oben in der Glocke stand ein Mann, der diese 88-mal, für 88 Lebensjahre im selben Rhythmus anschlug.

Ab dem ersten Schlag war der Platz verstummt und spätestens jetzt wussten es alle: Wir haben keinen Papst mehr, Franziskus ist tot!



18:30 Uhr, Petersplatz, gemeinsamer Rosenkranz für den Papst

In den folgenden Tagen wurde sein Leichnam im Petersdom aufgebahrt. Am Mittwoch war der Petersdom fast 24h offen. Sie haben ihn um 5 Uhr nur geschlossen, um einmal schnell durchzuputzen und ihn dann wieder geöffnet.

Donnerstag, 24.04, 22:00 Uhr, Via di Porta Angelica

Natürlich sind wir auch zur Aufbahrung gegangen und haben es am Donnerstagabend versucht, das hat auch einwandfrei funktioniert. Obwohl im Petersdom dauerhaft tausende Menschen im Sekundentakt durchgeschleust wurden, war es sehr gut organisiert und wir sind nach 1,5h anstehen, vorne gewesen. Wir erhielten auch das Privileg, in den Gebetsbereich zu kommen, und ich stand 30 cm vom Sarg entfernt.

Da lag er nun, der Mann, den ich mein bisheriges Leben als Papst gekannt habe. Das Gesicht war bleich, beinahe grau. Die Gesichtszüge waren völlig ungewohnt, sodass man kurz hätte zweifeln können, ob das wirklich Franziskus sei. Sein etwas rundlicheres Gesicht, das man kannte, war plötzlich sehr markant und oval. Man sah jede Kontur der Nasenknochen, der Wangen, der Augenhöhlen. Erst wenn der Blick runter zum Kinn wanderte, sah man die überschüssige Hau, die sich dort leicht überlappte. Die Augen geschlossen und mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen lag er in seinem schlichten hölzernen Sarg. Es war auch sehr ungewohnt, den sonst so in schlicht weiß gekleideten Pontifex auf einmal ganz in Rot mit Mitra zu sehen. Sah man weiter an ihm herab, so kam auf Höhe des Bauches zu seinen Händen, wo natürlich bereits der Fischerring fehlte. Seine knochigen Finger waren zwar schön drapiert worden, mit einem Rosenkranz dazwischen haltend - als wäre er gerade im Gebet -, aber man sah, dass diese bereist völlig starr waren und sich nicht mehr bewegten. Das ganze Bild wurde abgerundet, von seinen sichtlich gern getragen schwarzen Schuhen.

Samstag, 26.04, 02:15 Uhr, zu Hause, Ponte Corso Vittorio Emanuel II

In der Früh aufgestanden und noch schnell gefrühstückt, ging es los. Mit jeweils einem Sandwich in der Jackentasche und einer Wasserflasche. Nachdem ich zwei Freunde gefunden hatte, die bereit waren, sich mit mir um halb vier am Morgen für das Requiem anzustehen. Standen wir nun da. Als wir ankamen, waren bereits gut Tausend Menschen dort, wovon mindestens 120 dort übernachtet hatten. Zwischen Schlafsäcken und Rettungsdecken standen wir dort. Neben uns schaute einer den Film Konklave auf seinem Laptop und wir spielten im Stehen Karten. Nach gut einer Stunde füllte sich die Schlange und es wurde deutlich enger, sodass wir uns nicht mehr bewegen konnten. Die Ersten wurden ohnmächtig, aber aufgrund des fehlenden Platzes konnten sie nicht umkippen, sondern sie sackten in sich zusammen. Nach einer weiteren Stunde haben die sizilianischen Omas versucht, eine Revolte zu starten und stichelten die Menge auf. Für einen kurzen Moment schien das auch zu funktionieren, legte sich aber schnell wieder.

Das Requiem für uns in chronologischer Reihenfolge:

  • 02:15 Uhr Aufstehen.

  • 03:15 Uhr Loslaufen.

  • 03:30 Uhr Anstehen.

  • 04:30 Uhr wurden wir so zusammengerückt, dass wir uns nicht bewegen konnten.

  • 06:00 Uhr Öffnung der Sicherheitskontrollen

  • 06:30 Uhr auf dem Sitzplatz

  • 10:00 Uhr Beginn





Ja, ich trage meine Jacke, da ich in der Eile vergaß die Capi einzupacken
Ja, ich trage meine Jacke, da ich in der Eile vergaß die Capi einzupacken


Als die Bibelseiten auf dem Sarg von alleine umblätterten, war dies tatsächlich der erste Wind nach einer langen Pause
Als die Bibelseiten auf dem Sarg von alleine umblätterten, war dies tatsächlich der erste Wind nach einer langen Pause

Die Zeit während der Sedisvakanz und des Konklaves war hier nicht besonders anders. Es wurde genauso spekuliert, wer sein könnte und war so gut wie täglich Thema. Aber Ende des Tages wussten wir es eben auch nicht und mussten auch jedes Mal gespannt auf den Schornstein schauen und auf die Farbe des Rauches warten. Das römische Konklave-Motto hatte sich ja dann auch bestätigt. Es gilt ja meistens die von der Presse genannten "12 Papabile", also potenzielle Kandidaten als Nachfolger. Am aber Ende hieß es wieder: "Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder raus."

Tatsächlich war bloß die Stimmung auf dem Petersplatz zum "Habemus Papam" besonders. Die Menge war besonders gut gelaunt, und in ganz Rom waren alle großen Hauptstraßen, die zum Vatikan führen, gesperrt worden.

Da denkt man, dass es in Rom Insider-Infos gäbe oder sonstiges, aber das ist nicht so. Man bekommt natürlich alles schneller mit und ist live dabei, aber man muss trotzdem wie die ganze Welt Geduld haben und abwarten.

Nähere Äußerungen dazu, wie ich den neuen Papst finde, oder was ich von ihm halte, etc... Werde ich nicht tätigen :)



Die Leute strömen nur so heraus, nach dem ersten Auftretens von Leo XIV
Die Leute strömen nur so heraus, nach dem ersten Auftretens von Leo XIV

Doch die Verkündigung war wieder etwas undeutlich, vor allem in meinem Teil. Daher ergab sich folgendes Szenario, womit ich den Beitrag hier auch schließe :)


"Wer ist er?/ Chi e lui?"

"Er heißt Papa Roberto/ Si chiama papa Roberto"

"Nein, nein Papa Franziskus/ No, no papa Francesco!"

"Ohhh Gott!! Franziskus der Zweite!!!/ Ohh dio, Francesco secondo"

"Nein, irgendwas mit der Vierzehnte../ No, qualcosa sul quattordicesimo"

"Ahh, papa Leone XIV"



A dopo,


Pablo



 
 
 

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