Aller Anfang war schwer...
- pablomoermann
- 12. Nov. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025
Tja, wie startet man den eigentlich seinen zweiten Blogeintrag? Beim ersten Mal ist es noch einfach, da war der Cliffhänger das Offensichtliche, die Anreise. Der Gag mit "aller Anfang ist schwer" klappt daher auch bloß ein einziges Mal.
Also mache ich es am besten so, wie ihr es von mir gewohnt seid, offen und direkt. Darum falle ich direkt mal mit der Tür ins Haus, oder sollte ich lieber sagen, mit dem Kopf dagegen?
Im Pronto Soccorso auf der Tiber Insel
Ich erwachte an einem Montagmorgen aus meinem Schönheitsschlaf und das Aufstehen fühlte sich bereits an wie eine Schifffahrt auf einem Krabbenkutter auf der Beeringsee.
Ich dachte mir nichts weiter dabei und starte in meinen Tag, es war ja auch schließlich Montag

, bekanntlich der schlimmste Wochentag.
Alles lief gelinde gesagt beschissen....Die einfachsten Aufgaben musste ich doppelt und dreifach machen und es war alles irgendwie einfach viel zu viel. Als es am Nachmittag in den Sprachkurs ging, hatte ich obendrein noch Schwierigkeiten zu lesen und ich beschloss frühzeitig nach Hause zu gehen und es für heute sein zu lassen. Gerade als ich den Beschluss gefasst hatte zu gehen, bekam ich spontanes Nasenbluten und wir haben entschieden, dass ich wohl besser mal in die Notaufnahme gehe um, das abchecken zu lassen. Als mich jemand gefragt hatte, ob ich mir in den letzten Tagen mal den Kopf gestoßen hatte, dämmerte es mir wieder, dass ich Samstag den Kühlschrank eingeräumt hatte. Jedoch habe ich dabei vergessen, dass die Schranktür über mir noch geöffnet war. Es hat einmal ordentlich gedongt und das war es dann auch.
In der Notaufnahme hatte sich nach mehreren Tests herausgestellt, dass es "nur" eine leichte Gehirnerschütterung war und ich bekam drei Tage Bettruhe. Warum erzähle ich euch das hier gerade so ausführlich? Ganz einfach, die römischen Krankenhäuser sind eine ganz, ganz besondere Erfahrung. Das Wartezimmer der Notaufnahme war ein 4 m x 3 m großer Raum mit einer angrenzenden Schiebetür zu den Schockräumen. Diese Tür brauchte aber einen personenfreien Abstandsradius von einem halben Meter, damit sie schließen konnte. Hinter einer Plexiglasscheibe war dann auch gleich die Rezeption und das Erstaufnahmezimmer in einem. Nach der Anmeldung und Beschreibung der Symptome bekommt man auch direkt mal einen Zugang gelegt. An dem Punkt dachte ich, dass es das war und ich die Nacht in dem Krankenhaus verbringen müsse. Das wär gar nicht so schlimm gewesen, bis zu dem Zeitpunkt, als der Essenswagen an mir vorbeirollte. Das Einzige auf diesem Wagen, was ich hätte essen können, war die abgepackte Mozzarellakugel. Während ich mir also bereits Gedanken machte, was ich alles der Schwester erzählen müsse damit ich irgendwie an eine zweite Kugel käme, suchte ein kleiner Italiener lautstark einen "Herr Mormann", um diesen zu entlassen.
Das Wort zum Sonntag lautet "Armbanduhr"

Während die Kirchenbesucher sich bereits eine halbe Stunde vorher in die Kirche begeben und sich ihre Plätze reservieren, läuft das hinter den Kulissen etwas anders. Denn, wenn man über der Kirche wohnt, dann hat man einen anderen Ablauf.
Ich bin überhaupt kein Morgenmensch und kein Freund davon früh aufzustehen, darum bin ich sehr froh, dass die Sonntagsmesse erst um 10 Uhr ist. Ich lasse in der Regel das Frühstück aus und stehe erst um 9 Uhr auf. Meinen Anzug habe ich mir bereits am Tag davor herausgehängt und dann geht es auf halb zehn in den Speisesaal. Dort helfe ich der Schwester gerne beim Eindecken des Tisches für das Mittagessen. Dabei verbessern sie ihre Deutschkenntnisse und meine italienischen. Doch immer mit einem Blick auf mein rechtes Handgelenk, denn zur Messe muss ich pünktlich sein. Gabel um Gabel, Teller um Teller, Löffel um Löffel,... -"Vai, vai". - Mein Zeichen, dass es in losgeht.
Im Haus herrscht um diese Zeit Bewegung und Leben. 10 Minuten vor Beginn trifft man einander im Treppenhaus - Jacketts werden geschlossen, Kragenknöpfe zugeknöpft, die Krawatte gebunden ( da ich der einzige bin, der kein Kollar trägt, steht Krawatte hier bewusst im Singular), Kollare eingeschoben -
Nochmal rascher Blick aufs Handgelenk und ein kleines Zurechtrücken der Uhr und des Krawattenknotens.
In der Sakristei werden die Jacketts auf einem Kleiderbügel aufgehängt, Talare und Gewänder übergeworfen und man kommt noch kurz zur Besinnung. Um kurz vor 10 sind alle bereit und pünktlich zum Glockenklang ziehen wir in die volle Kirche ein.
"3,2,1 Action!!"

Das Kamerateam vom ÖRF war zu Gast. Sie drehen eine Dokumentation über die Vorbereitungen zum Heiligen Jahr in Rom und da ist es obligatorisch auch beim deutschsprachigen päpstlichen Institut vorbeizuschauen. Wir hatten an diesem Tag den Kardinal von Österreich zu Besuch. Und so bin ich nach dem Mittagessen noch schnell ins Zeitungszimmer gegangen um "nur einen Espresso" zu nehmen. Dort habe ich dann ganz zufällig den Kardinal getroffen. Ich muss zugeben, ich war natürlich nicht so elegant angezogen, aber zum Glück hat unsere Arbeitskleidung immerhin einen Kragen und zeigt stolz das Anima-Logo auf der Brust, direkt über dem Herzen.
Ab in den Süden
Ab und zu, muss man aus Rom auch einmal raus und wieder mal das Land und die Berge zu sehen. So sind wir kurzerhand am Sonntag auf einen kleinen Trip gegangen. Um 8 Uhr sind wir am Kolosseum abgefahren und machten uns auf den Weg nach Mugnano (nähe Neapel) und folgten den Spuren der heiligen Philomena.

Wir sind so circa um 10 Uhr angekommen und konnten noch das Ende der Messe miterleben. Ein kompletter Kontrast zu Rom. Es war eine typische Dorfmesse, die ganze Kirche war voller Menschen. Die Leute kannten sich alle und es wirkte so, als kämen sie slle jeden Sonntag hier zusammen. Später sah man dann viele von ihnen am Straßenrand sitzen, in Plastikgartenstühlen. Das war der süditalienische Flair, wie im Film.
Einige von den älteren Herrschaften sahen aus wie Mafiabosse, sodass wenn man herüber geschaut hatte Angst haben musste, das sie gerade eine WhatsApp geschrieben hatten und der Beton bereits angerührt wird.
Um ihre Gunst wiederzugewinnen und nicht im nächst besten Gewässer versenkt zu werden, haben wir ganz vorbildlich die Leute gefragt, wo wir den am besten Essen gehen sollen. Zuerst schauten sie uns ganz verwundert an, da sie glaube ich noch nie Touristen erlebt haben, die sogar zur Messe kommen. Aber nach einer typisch italienisch drei Mann und drei Meinungen Diskussion haben sie sich auf ein Lokal einigen können. Und so aßen wir in der ehemaligen Kardinalsresidenz vorzüglich zu Mittag.
Im Anschluss sind wir nach Montecassino gefahren, einem der bildgewaltigsten Klöster, dass ich je gesehen habe. Dazu fehlen mir einfach die Worte, um das angemessen zu Beschreiben, daher gibt es hierzu nur Bilder.



Wieder zurück in Rom konnte man auf dem Forum Romanum noch ein kleines Spektakel erleben.
Als wir vorbeigelaufen sind, sagte ich noch, dass mir diese Musik so vertraut vorkäme und dort lief dann tatsächlich der neue Trailer zu


Das war es fürs Erste von meiner Seite aus. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich erlebe jeden Tag etwas Neues. Es geht mir nach wie vor hervorragend und ich bin sehr zuversichtlich, dass das auch noch so bleiben wird.
Ich habe mich perfekt eingelebt und meinen Platz in dieser kleinen Gesellschaft gefunden.
A dopo,
Pablo



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