Die Weihnachtszeit in Rom
- pablomoermann
- 4. Jan. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025
Dieses Mal fällt es mir schwerer, groß etwas zu erzählen. Wisst ihr, der letzte Monat verging irgendwie rasend schnell und es ist viel passiert, aber irgendwie auch nicht. Für die Adventzeit gab es sehr viel zu tun und daher habe ich diese Zeit gar nicht so als Adventzeit wahrgenommen. Auf dem Adventkranz hat halt jede Woche eine Kerze mehr gebrannt und irgendwann waren es plötzlich drei Kerzen und die ersten Bewohner wünschten einem Frohe Weihnachten, da sie am nächsten Tag nach Hause fahren über die Feiertage. Dann kam langsam die Ruhe in den Alltag und Weihnachten und Neujahr und dann die Frage: "Worüber schreibe ich jetzt eigentlich?". Aber dann habe ich die Bilder auf dem Handy mal durchgeschaut und doch ein paar Ereignisse gefunden. :)
Il Papa
Tja, das Ganze war reiner Zufall. Ursprünglich wollten wir an diesem Tag in die Vatikanischen Gärten gehen, an einem Mittwochmorgen. Irgendwie haben wir gar nicht nachgedacht und haben uns auf diesen Morgen um 9 Uhr angemeldet. Wir laufen die Via della Concillazione entlang und plötzlich kommt die erste Kontrolle, wo Tobias seinen Regenschirm losgeworden ist. Wir sind zum Sicherheitscheck in den Kolonnaden und plötzlich waren wir auf dem Petersplatz und der Papst fährt zu Beginn der Mittwochsaudienz vor. Ein schnelles Foto und noch den Eröffnungssegen mitgenommen und dann sind wir weiter in die Gärten gegangen.

In den Gärten erhält man einzigartige Einblicke in den Vatikanstaat, da wären zum Beispiel: Die legendäre Tankstelle mit dem unbesteuerten Benzin, Casa Sanctae Marthae, das Glaubensdikasterium, die Müllhalde des Vatikans, das Magazzino....
"Was ziehst du dich so an, das ist kein Staatsbesuch, es kommt doch nicht der Präsident vorbei"
Ehhhh, doch! Die Präsidentin von Slowenien kommt vorbei. Am 05. Dezember gab es ein Konzert von einem slowenischen Gitarrensolisten in unserer Kirche und dafür kam dann auch die Präsidentin vorbei. Grimmig dreinblickende Leibwächter mit Stöpsel im Ohr liefen herum, Exitstrategien wurden besprochen und eine Menge slowenische Würden- und Ordensträger besuchten unsere Anima und ich war mitten drin. Natürlich konnte ich die Chance nicht entgehen lassen und habe ich in die Foto-Schlange elegant eingereiht.
"What kind of photo do you want?
"A selfie?"
"Why not that is unique"
Die Kaserne der Schweizergarde

"Die Schweizergarde ist kein Spaßverein, sondern die Garde ist eine militärische Einheit."
Aus diesem Grund hat der Vatikan eine Kaserne für die Gardisten, die sich dem Schutz des Papstes verpflichtet haben. Die Kaserne besteht aus drei identischen rechteckigen Gebäuden, darunter die Zimmer, Mensa, ... Und die Waffenkammer, wo die Garde alle Waffen aufhebt, die sie mal verwendet, geschenkt oder gefunden haben. Dabei gab es auch eine einzige MP40, die der Geschichte nach von einem deutschen Soldaten stammt, der sich während des Zweiten Weltkriegs auf dem Petersplatz ergeben hatte.
Bisschen Kulturprogramm darf auch sein

Das Schöne ist, dass es neben dem deutschsprachigen Kolleg auch ein deutschsprachiges Seminar in Rom gibt und anscheinend schlummerte in vielen von ihnen ein wahrer Schauspieler oder sie sind geisteskrank. Das war mit Abstand das beste Theater, das ich seit langem gesehen habe. Der Hauptmann von Köpenick hat uns perfekt für einen ganzen Abend unterhalten.
Weiterhin bin ich den letzten Monat sehr viel durch die Stadt gelaufen und dabei viel an Museen vorbeigekommen und bin einfach spontan hineingelaufen. Einige haben sich gelohnt, andere nicht, man nimmt es wie es, halt kommt.

Heiligabend in Rom

Am 24.12 haben die Schwester und ich die beiden Weihnachtsbäume in der Kirche geschmückt und wie man das in Rom so macht, eben mit sehr viel Stil. Natürlich hatte ich meine Anzugschuhe auf der Leiter an. Gut, ich hätte beinahe Weihnachten nicht erlebt, aber das lag nicht am Schuh, sondern daran, dass wir die Leiter mit einem Fuß bloß zur Hälfte auf die Kante gestellt hatten. Gott sei Dank habe ich es oben noch gesehen - Vielleicht lag es an der Anwesenheit der Schwester oder das es vor dem Tabernakel war oder beides. -
Gegen 17 Uhr bin ich dann mit einem Freund zusammen zum Vatikan gegangen, denn wir hatten es noch geschafft, Karten für die Messe im Petersdom zu bekommen.
Also sind wir schön durch den Diplomtaten- und Prominenten-Eingang in die Christmette und zur Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom ganz vorne mit dabei :) Direkt im Anschluss bin ich dann zurück zur Anima gelaufen und dort in die Christmette um 22 Uhr gegangen. Wenn schon, dann macht das volle Programm. Tja, und am Mittag hatten die Schwester und ich extra ausgemittelt, wo die Strohsterne hängen dürfen, damit sie nicht von den Kerzen in Brand gesetzt werden. Und wie der Zelebrant spricht: "Es segne und behüte der drei einige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist" fängt es zu knistern....Und ja, der oberste Strohstern hat gebrannt. Wir konnten mit vereinten Kräften, mehreren Wasserketten und unter Einsatz unseres Lebens den Brand löschen und unsere Kirche vor dem zweiten Niederbrennen bewahren.
Aufgrund von Arbeiten hatte ich für einige Tage kein warmes Wasser in meiner Wohnung. Da ich parallel aber leider krank gewesen bin, habe ich das nicht sofort gecheckt. Folglich war der angebliche Schüttelfrost nicht dem Fieber geschuldet, sondern der Tatsache, dass wenn es kein warmes Wasser zum Duschen gibt, es auch keines zum Heizen gibt. Aber hey, wer kann schon von sich behaupten, im ehemaligen Bischofszimmer geduscht zu haben, mit einem 2m x 1m großen Gemälde von Kaiser Franz-Joseph I im Raum. Natürlich wurde das Problem sofort und perfekt behoben und die Situation hat sich für mich sogar verbessert. Der Trockner fürs Handtuch im Bad, wo ich dachte, der sei ohne Funktion montiert worden...Der war einfach nur nicht aufgedreht worden.


Un anno nuovo e sancto
Nun, was kommt im neuen Jahr?
Ende Januar werde ich hochrangigen Besuch aus Deutschland bekommen und daher noch einige Sehenswürdigkeiten nochmal besuchen. In den nächsten beiden Tagen werde ich die vier Heiligen Pforten gemeinsam mit ein paar Freunden durchschreiten und tatsächlich mal als Pilger in Rom unterwegs sein. Ich werde aber auch wieder viele Stunden an meinem Schreibtisch verbringen, denn ich bin hoch motiviert, mir meine neugewonnenen Italienisch-Kenntnisse offiziell bestätigen zu lassen. Und ansonsten werde ich alles so erleben, wie es von oben für mich vorbestimmt ist.
Ci vidiamo,
Pablo



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